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Stadt Traunreut  |  E-Mail: k1@traunreut.de  |  Online: www.traunreut.de

Tag der Heimat mit der Einweihung der neuen Gedenkstätte am Traunreuter Waldfriedhof

Am Samstag, 19. September 2015 fand in Traunreut der „Tag der Heimat“ mit der Einweihung der Einweihung der neuen Gedenkstätte am Waldfriedhof statt.
Tag der Heimat

TAG DER HEIMAT in Traunreut am Samstag, 19. September 2015

 

 

Einweihung der neuen Gedenkstätte

Ehrengäste wie die Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration Emilia Müller, Ministerialrat Dr. Wolfgang Freytag, die Landtagsabgeordneten Michaela Kaniber, Josef Zellmeier, Volkmar Halbleib, Bernhard Pohl, Bezirksrätinnen Christine Degenhardt und Annemarie Funke, Landrat des Landkreises Traunstein Siegfried Walch, Altlandrat Jakob Strobl, stellvertretender Landrat des Landkreises Berchtesgadener Land Helmut Fürle, Bürgermeister der Vertriebenenstadt Waldkraiburg Robert Pötzsch, Kreisräte aus unserem Landkreis, Bürgermeister aus den Landkreiskommunen, Zweiter Bürgermeister der Stadt Traunreut Hans-Peter Dangschat und Dritte Bürgermeisterin Gerti Winkels sowie die Traunreuter Stadträtinnen und Stadträte, Vertreter verschiedener Behörden und Firmen sowie die Mitglieder der verschiedenen Landsmannschaften aus nah und fern, die Landesdelegierten des Bundes der Vertriebenen, der Vizepräsident der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste Widmar Hader sowie viele interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten der gemeinsamen Einladung von Traunreuts Erstem Bürgermeister Klaus Ritter und Landesvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen, Christian Knauer zur Einweihung der neuen Gedenkstätte auf dem Traunreuter Friedhof. Pfarrer Stefan Hradetzky von der evangelischen Paulusgemeinde, Pfarrer Reinhold C. Bartok von der rum.-orthodoxen Pfarrgemeinde und Pastoralreferentin Dr. Melanie Lüking von der kath. Pfarrgemeinde segneten das Heimatkreuz und die neue Gedenkstätte.

Gemeinsam wurde dabei den Opfern von Flucht und Vertreibung gedacht. Zur Ehre Gottes und zum Gedenken an das Leid der vielen Betroffenen neigte man die Fahnen und verbrachte eine Minute im stillen Gebet und Gedenken. Anschließend legten Bürgermeister Klaus Ritter, die Staatsministerin Emilia Müller und der Landesvorsitzende des BdV

einen gemeinsamen Kranz nieder, dessen Symbolik ein Zeichen der Versöhnung der Menschen und Völker, des Zusammenwachsens der Generationen und gleichzeitig der Bewahrung der Wurzeln aufgreift. Die Blaskapelle Traunwalchen mit Kapellmeister Georg Angerer sorgte für die feierliche musikalische Begleitung des Festzuges und des Festaktes.

 

Warum eine neue Gedenkstätte?

Zwei Stunden Zeit zum Packen. Maximal 30 Kilo Gepäck. Keine Zeit zum Nachdenken, kaum Zeit zum Handeln. Nicht freiwillig die Heimat verlassen - nein! Gehen müssen! Nicht bleiben dürfen! Innerhalb von Stunden alles verlieren, weil andere es so wollen. Nur noch den nackten Überlebenswillen in den Taschen. Angst vor dem, was kommt, vor dem was werden wird - Todesangst und fast noch schlimmer: absolute Verzweiflung und Traurigkeit. Belastende Sorgen, die alle Hoffnung zu erdrücken scheinen. Das war millionenfach schreckliche Realität, in Mitteleuropa am Anfang und besonders in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Unzählig viele Menschen verloren ihr Leben auf der Flucht und bei Zwangsarbeit. Flucht aufgrund von Vertreibung! Diese Gräuel waren, sind und bleiben Unrecht und sind zu tiefst zu ächten. Daran zu erinnern ist das Gebot der Stunde, ist das Gebot heute und muss das Gebot der Zukunft sein. Nicht einfach respektloses Vergessen, nein, respektvolles Erinnern ist eine Haltung, die Überlebenden, deren Familien und Nachkommen und allen Betroffenen die Würde verleiht, die ihnen zusteht, so Bürgermeister Klaus Ritter.

 

Das Konzept der neuen Gedenkstätte

Nachdem man den Haupteingang zum Traunreuter Friedhof passiert und den Weg an der Friedhofskapelle genommen hat, zweigt man links ab. Ein breiter, ansteigender Gehweg, eingerahmt von Bäumen und Sträuchern führt zu einer prominenten Stelle, die zugleich die höchste im Friedhof ist. Der Blick fällt zuerst auf drei hohe Tafeln. Die Begriffe ALTE HEIMAT, VERTREIBUNG, NEUE HEIMAT sind jeweils am oberen Ende eingestanzt. Alte Bilder und Text erinnern an Geschehenes. Will man den Weg, der hier wieder nach links abzweigt fortsetzen, so öffnet sich an dieser Stelle die Sicht auf die gesamte Gedenkstätte.

Die neue Gedenkstätte erschließt sich aus drei Betrachtungsansätzen:

1.         Großes Heimatkreuz aus dunkelbraunem Holz mit acht Gedenksteinen der Vertriebenen-Landsmannschaften Banat, Siebenbürgen, Sudetenland, Süd-Osten, Schlesien, Ost-West-Preußen/Danzig, Pommern, Bayern Neue Heimat in der Mitte des Platzes.

2.         Mahnmal bestehend aus drei Tafeln, die von Künstler Rolf Wassermann aus dem Material Cortenstahl  in Lasertechnik nach einem aufwendigen Verfahren hergestellt wurde. Die linke Tafel erinnert an die Heimatvertreibung um 1945 und an das damit verbundene Leid. Die rechte Tafel veranschaulicht, wie die neue Heimat zur Zuflucht wurde und langsam Wunden heilen ließ. Die mittlere Tafel stellt die Verbindung von der alten Heimat zur neuen Heimat durch eine Skulptur dar, die eine Familie zeigt, wie sie herzlich in der neuen Heimat empfangen wird.  Die Skulptur ist aus acht Millimeter Edelstahl gefertigt und 24 Karat vergoldet. Das verwendete Material Gold steht für Beständigkeit, Sicherheit und Reinheit in Bezug auf den Menschen.

3.         Weltbürgergedenkstätte

Sie besteht aus einer Gedenktafel, die ebenfalls aus Cortenstahl in aufwendiger Technik gefertigt wurde. Im oberen Drittel ist eine Weltkarte dargestellt, die eine allumschließende Gemeinschaft der Weltbürger ausdrückt, als Hintergrund ist eine vergoldete Metallplatte im Abstand von drei Zentimetern montiert. Gold steht hierbei für die Gleichheit der Menschen unserer Erde. Diese Tafel soll für all jene einen Platz kennzeichnen, die in unserer Stadt wohnen, die aber hier kein Grabmal bzw. keinen persönlichen Platz zum trauern haben, betonte Bürgermeister Klaus Ritter in seiner Rede zur Einweihung der Gedenkstätte.

 

 

Festakt im k1

Das Wunder von Traunreut -

Zeichen der Versöhnung der Menschen und Völker untereinander

Der Tag der Heimat fand nach der Einweihung der neuen Gedenkstätte seine Fortsetzung bei einem Festakt im k1, der vom BdV - Bund der Vertriebenen - ausgerichtet wurde. Landesvorsitzender des BdV, Christian Knauer und Landesgeschäftsführer Alexander Korisansky wählten für die Zentralveranstaltung zum TAG DER HEIMAT einen Veranstaltungsort, der, so Knauer „ein beredtes Zeugnis für eine gelungene Integration und für ein neues Miteinander ablegt."

Bürgermeister Klaus Ritter bezeichnete die weit über 80 verschiedenen Nationen, die heute in Traunreut leben, als die Basis unserer Stadt. Er erinnerte an die vielen Heimatvertriebenen, die tapfer ihr Schicksal in die Hand nahmen und eine immense Aufbauarbeit leisteten. Der Fleiß der Vertriebenen, aber auch der Fleiß der Spätaussiedler ließen Traunreut zu dem werden, was sie heute ist: die große Stadt im Landkreis Traunstein. Landrat Siegfried Walch würdigte die Leistungen der Stadt Traunreut als „Wunder von Traunreut" und Staatsministerin Emilia Müller appellierte an das Leitwort, das sich die Heimatvertriebenen in ihrer Charta 1950 auferlegt haben, nämlich für ein geeintes Europa einzutreten, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können. „Halten Sie an diesem Kurs fest. Bayern steht an Ihrer Seite", so die Ministerin.

 

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Stadt Traunreut - Erster Bürgermeister Klaus Ritter

 

Text Rita Lechenmayr

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