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Stadt Traunreut  |  E-Mail: k1@traunreut.de  |  Online: www.traunreut.de

Gründonnerstag mal etwas anders

Traunreut. Sterbelieder statt Fußwaschung: Im Traunreuter k1 hat man sich für die Feier des Gründonnerstags etwas Besonderes einfallen lassen. Ein Trio aus Schauspielern, Poeten und Musikern interpretierte auf verschiedenste Weise Gedichte der namhaftesten deutschen Dichter, die unter dem Motto „Sterbelieder fürs Leben“ alle mit dem Thema Tod zu tun hatten. Gut 120 Besucher ließen sich von dieser Aufführung anziehen, die k1-Chef Kazianka nach Traunreut gebracht hatte.

 

Sicherlich aber war es nicht nur die Poesie der zu erwartenden Gedichte, die die Menschen ins k1 zog, sondern sehr wohl auch der Name der prominentesten Interpretin: Marianne Sägebrecht, Kultstar spätestens seit „Out of Rosenheim“. Sie rezitierte die Gedichte, unterhaltsam, ausdrucksstark, mit ihrer unverwechselbaren heiseren Stimme.

 

An ihrer Seite agierte Josef Brustmann, Kabarettist, Poet, nicht zuletzt Musiker, der an fast allen Instrumenten zu Hause zu sein scheint. Er war beziehungsweise ist beim „BairischDiatonischen Jodelwahnsinn“ und bei der „Monaco Bagage“ aktiv und hat jetzt die Idee zu dem Sterbelieder-Projekt gehabt und die Präsentation zusammengestellt. Auch einige der Gedichte stammen aus seiner Feder. Dazu trug er eine ganze Reihe selbst komponierter Lieder vor, begleitete sich dazu an Piano, Zither, Gitarre oder Mundharmonika, gestaltete auch melodiöse, besinnliche Zwischenspiele, vor allem mit der Zither.

 

Und dann war da noch ein Dritter im Bunde, der auf den Ankündigungstexten erst gar nicht aufgetaucht war: Andreas Arnold aus Wolfratshausen. Wenn man sagen würde, er habe die Klarinette und das Saxofon einfach nur „gespielt“, würde man ihm Unrecht tun. Vielmehr zauberte er mit seinem weichen Anspiel, mit ganzem Körpereinsatz und in phänomenaler Empathie mit seinen Instrumenten einen Klang, der die Besucher in den Bann schlug. Der Musiker und sein Instrument: Das war eine Einheit, ein MiteinanderVerwobensein, wie man es nicht alle Tage erlebt. Gedämpfter, intensiver, umfassender Klang war das Ergebnis.

 

„Die Klarinette von Andreas Arnold erzählt von der Freude und von der Traurigkeit, sie lacht und singt, sie weint, sie ist nachdenklich und wieder sehr lebhaft“, hat ein Kritiker einmal über diesen phantastischen Musiker geschrieben. Kein Wunder, dass die Besucher immer wieder gerne Beifall spenden wollten, auch wenn es den meditiativen Charakter des Abends möglicherweise gestört hatte. Kollege Brustmann hatte Verständnis: „Er hätt’s scho verdient“, sagte er leise, legte dann aber gleich den Finger über die Lippen: Der Abend sollte nicht durch Applaus unterbrochen werden.

 

Inhaltlich war der Abend eine Reminiszenz an große deutsche Dichter, denen man möglicherweise seit Schulzeiten nicht mehr begegnet war: Brentano, Rilke, Brecht, Gernhardt, Trakl, Bergengruen. Abschließend kam auch Khalil Gibran zu Wort, der aus dem Libanon stammende Maler, Philosoph und Dichter.

 

Zwischen ihm und Brecht wurde eine interessante, unterschiedliche Sicht der letzten Dinge herausgearbeitet: Während Bergengruen in einem Gedicht die Fülle all dessen aufzählte, was noch zu tun sei: „Denn morgen bin ich tot“, appellierte Gibran an das Bleibende: „Die Blume geht zugrunde, aber der Samen bleibt zurück“. Auch Brecht betont das Ende: „Es gibt keine Wiederkehr. Lasst euch nicht vertrösten, es kommt nichts nachher“ – „meint Brecht“, schränkte Rezitatorin Sägebrecht ein.

 

Während die meisten Gedichte von Marianne Sägebrecht gelesen wurden, hat Josef Brustmann, der in Teisendorf geborene Multi-Instrumentalist, andere davon vertont und selber gesungen. Er ist so wenig ein großer Sänger wie Marianne Sägebrecht, die bei „Es waren zwei Königskinder“ leise mit einstimmte. Aber die „Sterbelieder fürs Leben“ waren ja auch kein Gesangsabend, sondern ein besinnlicher Abend, passend zum Gründonnerstag. Und für die herausragende Interpretation an dem Abends war sowieso Andreas Arnold zuständig. Er und mit ihm die beiden anderen erhielten zum Schluss dann doch noch den verdienten Applaus. he

 

ChiemgauOnline, 26.04.2011

Grossansicht in neuem Fenster: k1_pressearchiv_sägebrecht

 

Einen besinnlichen Abend bescherten (von links) Andreas Arnold, Marianne Sägebrecht und Josef Brustmann ihrem Publikum mit „Sterbeliedern fürs Leben“ in Wort, Musik und Gesang. Foto: he

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