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Stadt Traunreut  |  E-Mail: k1@traunreut.de  |  Online: www.traunreut.de

Altbürgermeister Matthäus Hausschmied aus Oberweißenkirchen baut Modell und übergibt es der Stadt Traunreut Traunreut, 19. Mai 2017.

Nachgebaute Kampfstoffzelle für den Museumsbestand

„Die Heeresmunitionsanstalt in der heutigen Stadt Traunreut war damals das größte Giftgaslager in Deutschland. Es war keine Produktionsfabrik sondern eine Abfüllanlage auf dem späteren Leuchtenwerk-Standort (heute Siteco) “, erinnert sich Altbürgermeister Matthäus Hausschmid aus Oberweißenkirchen.
Hausschmidt

„Die Heeresmunitionsanstalt in der heutigen Stadt Traunreut war damals das größte Giftgaslager in Deutschland. Es war keine Produktionsfabrik sondern eine Abfüllanlage auf dem späteren Leuchtenwerk-Standort (heute Siteco) “, erinnert sich Altbürgermeister Matthäus Hausschmid aus Oberweißenkirchen.


Es seien hauptsächlich Frauen gewesen, die das Gas in die Granaten füllen mussten. „Die Männer waren ja im Krieg.“ 1947, also vor genau 70 Jahren, begannen dann die Entgiftungsarbeiten, bei denen elf Menschen ums Leben kamen.


Der 93-jährige Matthäus Hausschmid hat sich schon immer mit der Geschichte und der Entwicklung der heutigen Europastadt befasst und tut es auch heute noch Grossansicht in neuem Fenster: Hausschmidbei geistiger Frische. Als er davon erfahren habe, dass Traunreut ein Museum bekommen soll, habe er überlegt, der Stadt Traunreut mit einer nachgebauten Kampfstoffzelle ein Geschenk zu machen.


Der Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Pierling, der auch den Ehrentitel „Altbürgermeister der Stadt Traunreut“ trägt, ist einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen.


„Mit 93 Jahren muss man gut überlegen, ob man es überhaupt noch fertig bringt“, scherzte er bei der Übergabe des Modells an Bürgermeister Klaus Ritter.

„ Es freut mich riesig, dass wir das kriegen“, sagte Ritter.

Das Modell wird zunächst im Stadtarchiv ausgestellt sein beziehungsweise in die Museumsbestände übergehen.


Aus alten Unterlagen und aus seinen eigenen Erinnerungen heraus, habe er im Oktober letzten Jahres damit begonnen, ein Modell zu bauen. „Ich wusste ja, wie diese Anlage mit insgesamt sechs Kampfstoffzellen ausgesehen hat“, erinnerte er. Als Zimmererlehrling im Betrieb seines Vaters habe er des Öfteren die Stundenzettel der Arbeiter, die von der Zimmerei seines Vaters für den Bau der Anlage ausgeliehen wurden, holen müssen. Es musste alles in Holz ausgeschalt werden und die Wände aus Eisen waren einen Meter breit. „Sechs solche Zellen standen in Reih und Glied da und es gab noch eine Zelle, in der noch hochgiftigeres Gas abgefüllt wurde.

 

Soweit ihm bekannt sei, seien beim Abfüllen in den sogenannten N-Anlagen keine Menschen ums Leben gekommen. Hausschmid ist sich aber sicher: Ein Bombardement hätte im Umkreis von fünf Kilometern kein Mensch überlebt.


1938 wurde mit dem Aufbau der Heeresmunitionsanstalt im Sankt- Georgi-Forst begonnen. „Wo sich einst die Füchse gute Nacht sagten, begann nun ein Werken und Rumoren im Walde“ heißt es in einem Traunreut-Buch. Es entstanden Holz- und Steinbaracken und riesige Gebäude für die Lagerung der Granaten. Die Bahn wurde von Hörpolding zu allen wichtigen Munitions- und Lagerhallen heraufgeführt.


1941 verließ die erste Kampfstoffmunition die Fertigungshallen, in denen rund 2000 Menschen beschäftigt waren. Im Frühjahr 1947 begannen dann die Entgiftungsarbeiten durch die Gesellschaft zur Erfassung von Rüstungsgut (GER).

 

Bei diesen Entgiftungsarbeiten kamen elf Menschen ums Leben. 1948 zogen die Amerikaner dann aus der Heeresmunitionsanstalt ab und 1949 war die Grundsteinlegung der Industriesiedlung Sankt Georgen.


Die Firma Siemens und die Firma Heidenhain siedelten sich als erste große Industriebetriebe an.
Text: Gabi Rasch Fotos: Stadt Traunreut

 

Grossansicht in neuem Fenster: Hausschmid1

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