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Stadt Traunreut  |  E-Mail: k1@traunreut.de  |  Online: www.traunreut.de

Seit 40 Jahren Heimat für Landsmannschaften, Ausstellungen und Integration

40 Jahre Heimathaus

HeimathausLandesmannschaften

Traunreut. Am 22. April 1976 wurde der Verein „Heimathaus Traunreut e. V." gegründet. Genau 40 Jahre nach diesem Datum werden am kommenden Freitag bei einer Jubiläumsfeier die Geschichte, die vielfältigen Aufgaben und die Ausrichtung für die Zukunft ein Thema sein. Das Haus ist seit vier Jahrzehnten eine Heimat für die in der Stadt vertretenen Landsmannschaften, organisiert Ausstellungen und Vorträge, ist ein wichtiger Baustein bei der Integration und bewahrt in der „Muna-Stube" Erinnerungsstücke aus der Anfangszeit der Stadt Traunreut, die auf Wunsch der Verantwortlichen einmal in einem richtigen Museum gezeigt werden sollen.

Damals im Jahr 1976 war der Verein eigentlich nur als vorübergehendes Provisorium gedacht, bis sich die Stadt ein eigenes Kulturmanagement leisten kann. Die Gründer des Vereins legten in der Satzung dessen Aufgabe fest: „Bewahrung, Pflege und Ausstellung des Kulturgutes aus den früheren Heimatgebieten der Traunreuter", wozu seit der Gebietsreform 1978 auch die ehemaligen Gemeinden Stein, Traunwalchen und Pierling gehören. Weiter machte man sich „Dokumentation und Archivierung der weiteren Entwicklung der Einheits-Gemeinde Traunreut" sowie die Durchführung von „Sonderveranstaltungen zur Kultur- und Heimatpflege" und „Förderung des kulturellen Angebotes im literarischen und musikalischen Bereich" zur Aufgabe. Es sollte ein „Haus für alle Bürger" entstehen. Bereits ein Jahr nach der Gründung verzeichnete das Heimathaus 1977 fast 3000 Besucher. 1984 wurde das ehemalige P-Haus aus der Munazeit, in dem das Heimathaus untergebracht ist, um einen Erweiterungsbau mit dem so genannten „Bürgersaal" vergrößert. Es sollte künftig ein „kleines Kulturzentrum" sein, wie Bürgermeister Eduard Wiesmann damals bei der Neubau-Einweihung hervorhob.

 

Die Landsmannschaften im Heimathaus

Der „deutsche Osten" zieht sich als roter Faden all die Jahre durch die Vereinsgeschichte. Das hängt mit der Herkunft eines Teiles der Bevölkerung in der Stadt zusammen. Kernthema war es stets, die Erinnerung zu bewahren an die unterschiedlichen Herkunftskulturen. Dazu wurden die Landsmannschaften gewonnen als Hüter ihrer Traditionen. Banater, Schlesier, Siebenbürger Sachsen, Sudetendeutsche und Russlanddeutsche haben seitdem eine Heimat in dem Haus an der Wichernstraße und halten dort ihre regelmäßigen Treffen und Veranstaltungen ab. Zahlreiche Bilder und Ausstellungsstücke erinnern an die alte Heimat der Vertriebenen und halten die Erinnerung wach.

 

Integration im Heimathaus

Ein Schwerpunkt im Heimathaus ist und bleibt die Integrationsarbeit. Mit der Eröffnung des Mehrgenerationenhauses fiel diese Aufgabe zwar offiziell weg. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Laut Jahresbericht 2015 bearbeitete Galina Kopp auch letztes Jahr wieder 478 Fälle der Aussiedlerberatung an 154 Tagen. Zu ihr kommen nicht nur viele Russlanddeutsche, weil sie ihre Sprache kann und ihnen beim Neubeginn in der Stadt hilft. Auch Bürger, die schon länger in der Stadt sind, suchen ihren Rat, nutzen ihre Hilfe beim Übersetzen, dem Suchen nach einer Wohnung oder Arbeitsstelle. Sie ist die gute Seele des Hauses, hat auch nach ihrem Renteneintritt die Halbtagesstelle in der Verwaltung beibehalten und managt die vielen Termine. „Unser Kalender ist randvoll, wir haben so viele Veranstaltungen, dass ich leider immer wieder Interessenten absagen muss", erklärt Galina Kopp.

 

Kultur im Heimathaus

Kunst und Kultur spielten im Heimathaus von Anfang an eine große Rolle. Der „Traunreuter Kunstpreis" wurde erstmals im Jahr 1985 verliehen. Später ging dieser im neuen EuRegio-Kunstpreis auf. Seit es das k1 gibt, fällt diese Aufgabe des Heimathauses weg. „Davor waren wir doch der Veranstaltungsort schlechthin in der Stadt", erinnert Vorsitzender Gerhard Wonner. Noch immer finden hier aber Ausstellungen statt und Vorträge, die sich vorwiegend mit historischen Themen befassen oder unter dem Motto „Traunreuter sehen die Welt" Erlebnisse der Bürger aus der Stadt auf ihren Reisen wiedergeben. Auch das Café International, bei dem Bürger aus der Stadt mit den neu hinzugekommenen Asylanten ins Gespräch kommen können, findet regelmäßig im Heimathaus statt und das alljährliche Treffen der Munisier, der ersten Einwohner von Traunreut, hat dort seinen festen Platz. Zählt man alles zusammen, kommt Gerhard Wonner zu dem Ergebnis: „Unser Haus wurde im letzten Jahr von 12475 Besuchern bei 635 Veranstaltungen frequentiert."

 

Rührige Mitstreiter

Der allererste Vorsitzende des Vereins Heimathaus war Hermann Heydrich, Reinhold Fuchs war damals schon Schriftführer. Über Jahrzehnte hinweg sollte er der Motor des Heimathauses sein, wie es Gerhard Wonner bei seiner Beerdigung vor wenigen Monaten ausdrückte. Reinhold Fuchs führte 30 Jahre lang als Vorsitzender mit viel Herzblut die Geschicke des Vereins. Ihm lag schon immer am Herzen, eine überregional bedeutende Kulturstätte in Traunreut zu schaffen. Und auch die Vision von einem Museum in der Stadt war ihm stets ein großes Anliegen. Heute leben von den Gründungsmitgliedern des Vereins Heimathaus noch Julius Wachsmann, Otto Schatz und Georg Ihmann.

 

Museum im Heimathaus

Um die frühe Geschichte der jungen Stadt Traunreut zu bewahren und auch künftigen Generationen anschaulich zeigen zu können, sammelte der Verein Heimathaus schon früh Zeugnisse aus der Muna-Zeit. 1987 wurde schließlich die „Muna-Stube" im Dachgeschoss des Heimathauses eröffnet, in der Stücke aus dieser Zeit ausgestellt sind. Bei der offiziellen Eröffnung damals betonte Reinhold Fuchs: „Traunreut ist ein außerordentlich geschichtsträchtiger Ort." Bereits in jener Zeit waren die Reihen derer, die sich noch an die Anfänge erinnern konnten, stark gelichtet und man wollte den folgenden Generationen „die Wahrheit über die schweren und bitteren Jahre dieser Epoche überliefern", wie es im Zeitungsbericht vom 12. Oktober 1987 hieß. Seitdem arbeitet der Verein Heimathaus daran, ein Museum oder „Haus der Geschichte" für Traunreut zu bekommen. Material dafür wird schon seit längerem gesammelt und wurde auch bereits archiviert und gelistet. Zuletzt wurde von der Historikerin Dr. Henriette Holz eine Machbarkeitsstudie für ein solches Museum erstellt. Sie kommt zu der Erkenntnis: „Die Stadt Traunreut hat ein Museum verdient." Wesentliche Voraussetzungen dafür seien gegeben. Die zu klärende Frage ist nun, ob das Heimathaus um- und ausgebaut werden soll oder ein Neubau anzustreben ist. Für Vorsitzenden Gerhard Wonner gilt: „Natürlich wird das nicht billig, aber die größte Stadt im Landkreis braucht so ein Haus." Und das langjährige Vorstandsmitglied Fritz Bantscheff fügt hinzu: „Traunreut ist eine junge Stadt. Wenn wir die Geschichte nicht festhalten, geht sie unwiederbringlich verloren." Viele interessante Details beispielsweise von früheren in der Stadt ansässigen Firmen seien schon jetzt nicht mehr darstellbar.

 

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums Heimathaus Traunreut hebt Bürgermeister Klaus Ritter besonders die hohe integrative Leistung hervor, die eine große Hilfe für die Stadt gewesen sei und noch immer ist. „Das Heimathaus hat mit seinen kulturellen Veranstaltungen immer die Stadt in einem positiven Licht gezeigt und bestens präsentiert", so das Stadtoberhaupt. Und für Vereine beziehungsweise die Landsmannschaften sei das Heimathaus mit seinem Saal nach wie vor ein wichtiger Ort, wo man Veranstaltungen und Feste durchführen kann.

 

Grossansicht in neuem Fenster: HeimathausLandesmannschaften

Foto Pia Mix - Bildtext: Das Heimathaus bietet den Landsmannschaften in Traunreut eine Heimat. Unser Bild zeigt (von links) Vertreter der Siebenbürger Sachsen, der Russlanddeutschen, der Ukrainer, der Banater Schwaben und Schlesier zusammen mit Galina Kopp (Dritte von links).

 

Quelle von Text und Bild: Pia Mix/Freie Journalistin

 

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